Mehrwegbecher aus Recyclingmaterial beim ESC 2026
Beim ESC 2026 in Wien kommen 100.000 Mehrwegbecher aus Recyclingmaterial zum Einsatz. Das Projekt zeigt einen österreichischen Kunststoffkreislauf.

Beim ESC 2026 in Wien kommen 100.000 Mehrwegbecher aus Recyclingmaterial zum Einsatz. Das Projekt zeigt einen österreichischen Kunststoffkreislauf.

Die Preise der Industriemetalle blieben im zurückliegenden Berichtszeitraum auf hohem Niveau. Zwar gab es an der LME eine geringe Volatilität in die eine oder andere Richtung, insgesamt blieb der Rohstoff Metall aber teuer. Die Auswirkungen sind inzwischen in der Bauindustrie angekommen, denn nicht immer können festere Preise an den Bauherrn weitergegeben werden - das trifft insbesondere größere Projekte im Rahmen von Ausschreibungen. Kleine und mittlere Bauunternehmungen verzichten deshalb schon auf längerfristige Projekte oder rechnen, sofern das vertraglich möglich ist, den Materialeinkauf mit dem Bauherrn zum Tagespreis ab.

PVC-Fensterprofile zählen zu den technisch ausgereiftesten Bauprodukten im Hochleistungsbereich. Basis ist hochwertiges Hart-PVC, modifiziert mit UV-Stabilisatoren, Pigmenten und funktionalen Additiven. Das Ergebnis sind langlebige, witterungsbeständige und mechanisch belastbare Profile mit einer Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten. Was diesen Werkstoff aus industrieller Sicht besonders interessant macht, ist jedoch ein anderer Aspekt: Hart-PVC ist ein thermoplastischer Kunststoff und damit nahezu verlustfrei mehrfach recycelbar. Mit vergleichsweise geringem Energieeinsatz lässt sich das Material wieder aufschmelzen und erneut verarbeiten, ohne signifikante Einbußen bei Qualität oder Performance. Für Fensterprofilhersteller bedeutet das: Produktionsabfälle sind kein Entsorgungsproblem, sondern ein werthaltiger Rohstoff.

Die gesellschaftliche Zustimmung zum Umwelt- und Klimaschutz ist vorhanden, aber sie wird fragiler. Während Umweltpolitik dort unterstützt wird, wo sie Infrastruktur verbessert und Lebensqualität erhöht, wachsen Skepsis und Widerstände bei als ungerecht empfundenen Belastungen. Die „Umweltbewusstseinsstudie 2024" des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung und Sociodimensions im Auftrag des Umweltbundesamts macht deutlich, dass sozial gerechte Gestaltung und glaubwürdige Kommunikation entscheidend sind, um Transformationspolitik mehrheitsfähig zu halten.

Die Rohstoffversorgung Deutschlands steht 2024 unter zunehmendem Druck. Hohe Importabhängigkeiten, volatile Märkte und geopolitische Risiken machen deutlich, dass eine ausschließlich auf internationale Primärrohstoffmärkte ausgerichtete Versorgungsstrategie an ihre Grenzen stößt. Der aktuelle Rohstoffbericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zeigt, dass die inländische Rohstoffgewinnung zwar bei mineralischen Baurohstoffen stabil ist, bei Metallen, Energierohstoffen und insbesondere kritischen Rohstoffen jedoch kaum zur Versorgungssicherheit beiträgt.

Viele Teile der produzierenden Industrie haben bereits Industrie-4.0-Anwendungen etabliert, wie etwa vernetzte Echtzeitsteuerung, prädiktive Wartung und digitale Prozessoptimierung. In der Recyclingbranche erschweren jedoch besondere Herausforderungen die Transformation zu einer datengetriebenen Anlagensteuerung. Vor allem stark schwankende Abfalleingänge auf Förderbändern erschweren die Digitalisierung. Unkontrollierte Stoffströme führen zu Blockaden, Leistungsabfällen, ungeplanten Stillständen oder Bränden durch Gefahrenobjekte wie Lithiumbatterien. Obwohl die Sortierindustrie zunehmend auf Automatisierung und Technik setzt, verfügen viele Betriebe weiterhin nicht über durchgängig digitale Abbildungen der realen Materialflüsse. Klassische Sensorik, ERP- oder Planungssysteme bieten hier nur begrenzt Abhilfe - sie arbeiten regelbasiert und setzen stabile Eingangsdaten voraus, was in der Abfallwirtschaft selten der Fall ist.

Wie halten es die Deutschen mit der Nachhaltigkeitstransformation? Diese Frage versucht die Leuphana Universität Lüneburg mit ihrem „Transformationsbarometer 2025: Perspektiven der Bevölkerung auf Transformation und Nachhaltigkeit" zu beantworten. Die Autor*innen betonen, dass es zwar umfangreiche Untersuchungen zur Bevölkerungsperspektive auf Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimawandel gibt. Die Meinung zu nachhaltigkeitsorientierten Veränderungs- und Transformationsprozessen sei allerdings bisher kaum untersucht worden. Zudem werde die Ebene der Bundesländer grundsätzlich kaum betrachtet. Das soll das „Transformationsbarometer 2025" ändern.

RM 04-2026

Von einem Recyclingweltmeister Deutschland spricht schon länger niemand mehr. Aber es stellt sich dennoch die Frage, wo Deutschland im internationalen Vergleich in der Kreislaufwirtschaft positioniert ist. Anhand von Patentanmeldungen hat Prognos im Auftrag der Bertelsmann Stiftung versucht, mit der Studie „Innovationsanalyse zur Circular Economy" diese Frage zu beantworten.

Eigentlich können sich alle auf eine Kreislaufwirtschaft einigen, so richtig funktionieren will sie aber trotzdem nicht. Yannik Gehlen von der TU Darmstadt argumentiert in seinem Aufsatz „Zwischen Systemwandel und Selbsttäuschung: Vier Thesen zur Ambivalenz der Kreislaufwirtschaft", dass für das Gelingen der Kreislaufwirtschaft ein „kultureller Perspektivwechsel" die Grundlage ist.

Der Ausbau der Elektromobilität verlagert die industrielle Wertschöpfung hin zu Batterien und kritischen Rohstoffen wie Lithium, Nickel, Kobalt und Graphit, die zu strategischen Ressourcen werden. Elektrofahrzeuge benötigen deutlich mehr mineralische Rohstoffe als Verbrenner, was Kostenrisiken sowie ökologische und soziale Herausforderungen in globalen Lieferketten verstärkt. Die bisher lineare Batterie-Wertschöpfung gerät dadurch an ihre Grenzen. Recycling ist ein wichtiger Lösungsbaustein, kann den steigenden Materialbedarf kurzfristig jedoch nicht allein decken. Der Bericht „Leading the charge: Turning risk into reward with a circular economy for EV batteries and critical materials" der Ellen MacArthur Foundation zeigt, dass ein systemischer Ansatz erforderlich ist, der Recycling mit Batterie-Design, Nutzung, Zweitnutzung und neuen Geschäftsmodellen verbindet.

Biogene Abfälle und Reststoffe gewinnen im Zuge der Transformation hin zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Der Bericht „Verwertung biogener Abfälle und Reststoffe - Kohlenstoffquelle, Bioenergie & negative Emissionen" vom Deutschen Biomasseforschungszentrum beleuchtet aktuelle Entwicklungen, technologische Ansätze und politische Rahmenbedingungen entlang der stofflichen und energetischen Verwertung biogener Reststoffe und zeigt auf, welche Rolle die Abfall- und Kreislaufwirtschaft künftig für Defossilisierung, Ressourceneffizienz und eine zirkuläre Bioökonomie einnimmt. Der Bericht wurde in „Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft" veröffentlicht.

Biogas wird in der energiepolitischen Debatte häufig unterschätzt oder als Auslaufmodell behandelt. Die Studie„Zukunftsaussichten der Biogasbranche", die das Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme im Auftrag des Fachverbandes Biogas erstellt hat, zeigt jedoch: Als Energie- und Kohlenstoffträger aus Rest- und Abfallstoffen kann Biogas einen zentralen Beitrag zur Energiewende und zur Kreislaufwirtschaft leisten.

Die Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft stellt Industrie, Bildungseinrichtungen und politische Entscheidungsträger vor weitreichende Herausforderungen. Besonders die chemische Industrie und die Materialwissenschaften spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie schaffen die technologischen und wissenschaftlichen Voraussetzungen, um Materialien effizienter zu nutzen, Produkte langlebiger zu gestalten und Stoffkreisläufe zu schließen. Der Bericht „Jobs and skills for a circular economy: a cross-sector perspective from the chemical and materials science and engineering communities" fasst zentrale Erkenntnisse einer Gemeinschaftsstudie des Institution of Chemical Engineers (IChemE), des Institute of Materials, Minerals and Mining (IOM3) und der Royal Society of Chemistry (RSC) zusammen. Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen im Kompetenzbedarf, die Anforderungen an Bildungswege, Schwierigkeiten bei der Fachkräftegewinnung und die politischen Handlungsoptionen.

Sozusagen in letzter Minute hat die Bundesregierung ihr „Klimaschutzprogramm 2026" vorgelegt. Das Programm musste spätestens 12 Monate nach Aufnahme der Regierungsgeschäfte vorgelegt werden. Herausgekommen ist erwartungsgemäß ein bunter Strauß an Maßnahmen. Ob die alle greifen werden, ist allerdings vor allem aufgrund der sonstigen Politik der Bundesregierung mehr als fraglich.

Mit dem Zero Pollution Action Plan verfolgt die Europäische Union das Ziel, Umweltverschmutzung bis 2050 auf ein für Mensch und Natur unschädliches Niveau zu reduzieren. Die von der Europäischen Kommission vorgelegte Halbzeitbewertung zeigt, dass in einzelnen Bereichen bereits deutliche Fortschritte erzielt wurden, zugleich aber strukturelle Defizite in Umsetzung, Governance und Politikintegration fortbestehen.

Die europäische Gesetzgebung sieht die verbindliche Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien vor. Die Bundesregierung will diese Vorgabe mit einem deutschen Textilgesetz erfüllen. Mit dem Positionspapier „Eckpunkte zur Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien" hat das BMUKN nun einen ersten Vorschlag zur konkreten Umsetzung gemacht.

Die Technologien sind da, die Fristen rücken näher - und die Lücken zwischen politischem Anspruch und praktischer Umsetzung sind unübersehbar. Bei den 27. Bayerischen Abfall- und Deponietagen in Augsburg diskutierten rund 450 Fachleute, was es braucht, um Recycling und Rohstoffrückgewinnung vom Ziel zur Realität zu machen.